Crew Ressource Management (CRM) in der Notfallmedizin
Haben Sie den Begriff Crew Ressource Management (CRM) auch schon mal gehört? Der Begriff stammt aus der Luftfahrt. Crew Ressource Management befasst sich mit den „non-technical-skills“, also den nicht-technischen Bereichen innerhalb eines Teams. Dazu gehören
- Kommunikation,
- Kooperation,
- Führungsverhalten oder
- Entscheidungsfindung.
Hintergedanke des Crew Ressource Management ist, dass in zeit- und lebenskritischen Situationen die Zusammenarbeit im Team präzise wie ein Uhrwerk funktionieren muss. Dazu ist es notwendig, sich bereits im Vorfeld – quasi als Trockenübung – Grundlagen der Zusammenarbeit zu überlegen und dabei einige Regeln zu berücksichtigen, Crew Ressource Management also zu planen.
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Schritt-für-Schritt-Anleitung: So planen Sie Crew Ressource Management
1. Schritt: Bilden Sie ein Team und führen Sie dieses!
Haben Sie nicht auch schon einmal bei einem Notfall mit Personen zusammengearbeitet, denen Sie vorher noch nie in Ihrem Leben begegnet sind? Das ist doch eigentlich eine denkbar schlechte Voraussetzung für adäquates Handeln in medizinisch kritischen Situationen, denn: Notfallmedizin ist Teamarbeit.
Als Notarzt oder Notfallarzt können Sie allein wenig am Patienten ausrichten. Sie sind stets auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihren Helferinnen und Helfern angewiesen.
Ihre Probleme:
- In der Notfallmedizin haben Sie oft nicht die Möglichkeit, auf gleich bleibende und eingespielte Teams zurückzugreifen.
- Sie fahren auf Rettungswagen verschiedener Rettungswachen.
- Im Krankenhaus arbeiten Sie mit Schwestern und Pflegern verschiedener Stationen zusammen.
- Nur in seltenen Fällen ist es möglich, in einem eingespielten Team einen Notfallpatienten versorgen zu können. Dazu kommt noch, dass ehrenamtlich tätige oder geringfügig beschäftigte Personen nur tage- oder gar stundenweise im Rettungsdienst bzw. Krankenhausdienst mitwirken.
- Und nicht zu vergessen: Wirklich kritische notfallmedizinische Situationen, in denen Crew Ressource Management eine fundamentale Rolle spielt (z. B. Reanimation, Polytrauma, Myokardinfarkt) machen höchstens 10– 20 % der Notarzteinsätze und Notfallsituationen aus.
Alles in allem ist also
- Teamarbeit in der Notfallmedizin das A und O.
- Die Voraussetzungen dafür sind dagegen denkbar schlecht
So sorgen Sie für einen geordneten Ablauf
Zunächst muss Ihnen klar sein, dass es in solchen Ausnahmesituationen von fundamentaler Bedeutung ist, rasch eine funktionierende Teamstruktur aufzubauen. Ihre Aufgabe als Arzt ist es also, aus einem „bunt“ zusammengewürfelten Haufen ein funktionierendes Notfallteam zu basteln – und das innerhalb kürzester Zeit. Dazu sollten Sie Folgendes beachten:
- Übernehmen Sie als medizinisch verantwortliche Person zunächst für alle deutlich sichtbar die Gesamtverantwortung und vermitteln Sie diese Position auch nach außen. Dazu gehört eine laute, klare und deutliche Sprache mit kurzen Sätzen, die bei aller Bestimmtheit selbstverständlich von Höflichkeit geprägt sein muss. Selbst in hektischen Situationen sollte immer Zeit für ein „Bitte“ und „Danke“ sein.
- Die Teamführung muss vom Kopf des Patienten ausgehen. Sie als Arzt sind der Teamleiter. Sie müssen sich am Kopf des Patienten befinden. Die von Ihnen selbst durchgeführten manuellen Tätigkeiten sind auf das Nötigste zu beschränken. Delegieren Sie diese so weit wie möglich, damit Sie Ihren Kopf frei haben für Denk- und Entscheidungsprozesse. Blutdruckmessung, Aufziehen und Spritzen von Medikamenten, Defibrillation oder Anlage eines intravenösen Zugangs sind klassisch delegierbare Tätigkeiten an einen qualifizierten Helfer. Auch formaljuristisch dürfen Sie sich bei der Delegation im Regelfall in Sicherheit wiegen.
- Sprechen Sie alle Beteiligten namentlich an. Dazu sollte es selbstverständlich sein, dass nicht nur Sie ein deutlich sichtbares Namensschild (mit Berufsbezeichnung!) tragen, sondern auch alle anderen Personen auf diese Weise identifizierbar sind. Nur so ist in einer Situation, in der man sich teilweise erstmalig sieht, gewährleistet, dass jeder weiß, mit wem er es zu tun hat.
2. Schritt: Setzen Sie Ressourcen gezielt und planvoll ein!
Neben medizintechnischen Geräten und notfallmedizinischen Medikamenten sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres Teams Ihre wichtigste Ressource. Diese müssen Sie gezielt und planvoll einsetzen. Dazu können Ihnen folgende Hinweise helfen:
- Sprechen Sie Ihre Helferinnen und Helfer gezielt an. Vermeiden Sie allgemeine Sätze wie: „Kann ich mal einen Tubus haben?“ Wenden Sie sich stattdessen direkt an Ihren Mitarbeiter, z. B. mit den Worten: „Herr Mustermann, geben Sie mir bitte einen Tubus.“
- Lassen Sie sich Rückmeldung über durchgeführte Aufträge geben. Erteilen Sie dazu Anweisungen wie: „Ziehen Sie mir bitte 1 mg Adrenalin auf. Wenn Sie damit fertig sind, sagen Sie mir bitte Bescheid.“
- Denken Sie daran, an jeden Mitarbeiter nur eine Aufgabe zu verteilen. Sätze wie: „Infusion, Sauerstoff, EKG, Thoraxdrainage“, müssen Sie unbedingt vermeiden. Sie führen nur zu Hektik, Überforderung und Chaos. Welchen der zahlreichen genannten Aufträge soll der Mitarbeiter denn nun zuerst erledigen? Bitten Sie Ihren Mitarbeiter stattdessen mit den Worten: „Frau Mustermann, ziehen Sie bitte eine Infusion auf.“ Wenn Sie dann sehen, dass der Auftrag erledigt ist, oder Ihr Mitarbeiter Ihnen die Erledigung meldet, dann können Sie den nächsten Arbeitsauftrag verteilen. Sie verstehen nun, warum Sie am Kopf des Patienten als Teamleiter weniger manuelle Tätigkeiten, sondern eher logistisch-organisatorische Denkarbeit verrichten müssen.
- Vermeiden Sie hektische Worte wie „schnell, schnell“. Dies führt nur zu zittrigen Händen und vermeidbaren Fehlern. Jedem qualifizierten Helfer sollte die Bedrohlichkeit einer Situation auch ohne Ihre „aufmunternden“ Worte klar sein. Und sollten Sie in einer besonderen Situation lediglich schlecht qualifizierte Personen an Ihrer Seite haben, so ist es bei ihnen umso wichtiger, Ruhe und Übersicht auszustrahlen. Als Teamleiter haben Sie die Aufgabe, alle anderen zu beruhigen.
- Sie werden Ihr Team zu Höchstleistungen anspornen, wenn Sie Ihre Sätze mit „bitte“ oder „danke“ beginnen oder beenden oder Ihre Mitarbeiter für eine Leistung loben. Das ist auch in kritischen Notfallsituationen möglich und hilft Ihnen und Ihrem Team, die Ruhe zu bewahren!
- Lassen Sie die Helfer an Ihren Denk- und Entscheidungsprozessen teilhaben. Informierte Mitarbeiter denken eher mit und unterstützen Sie in Ihrer Entscheidungsfindung, sie denken sogar voraus. Davon profitiert das gesamte Notfallteam. Formulieren Sie Ihre Gedanken: „Jetzt geben wir noch maximal 3 mg Adrenalin. Wenn dann keine Herzaktionen auftreten, beenden wir die Reanimation.“ Oder: „Der Patient ist schwierig zu intubieren. Ich mache jetzt einen Versuch. Wenn der nicht klappt, dann geben Sie mir bitte einen Larynxtubus.“
3. Schritt: Schon im Vorfeld die Aufgaben klar verteilen
Sollten Sie in der glücklichen Lage sein, Ihre Teamzusammensetzung selbst wählen zu können oder vorwiegend in einem personell oder strukturell identischen Team zu arbeiten, so bietet es sich an, Positionen und Aufgaben schon im Vorfeld zu verteilen.
- Besprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern in einer ruhigen Minute, wie Sie als Team in einer Notfallsituation am besten zusammenarbeiten können. Legen Sie in einer gemeinsamen Diskussion fest, wer z. B. den Notfallkoffer holt, wer das EKG und den Sauerstoff trägt, wer sich dann in welcher Position am bzw. beim Patienten befindet, und denken Sie vor allem daran: Wo stellen Sie alle Sachen ab, damit in der Notfallsituation jeder uneingeschränkt Zugang hat? Der Sauerstoff am Fußende macht beispielsweise ein schlechtes Bild, denn Sie benötigen ihn ja am Kopf des Patienten und die Zuleitung ist entweder zu kurz oder liegt störend auf dem Körper des Patienten. EKG und Defibrillator sollten Aufgaben eines Helfers sein und sich daher an der Seite des Patienten befinden. Eine Absaugung dagegen benötigen Sie eher am Kopf des Patienten. Folgender Positionierungsvorschlag der Notfallausrüstung hat sich in der Praxis bewährt:

- Legen Sie im Vorfeld außerdem Routinemaßnahmen fest, die bei jedem Notfall ohne weitere Worte automatisch durch Ihre Mitarbeiter erledigt werden, wie z. B. Blutdruck messen, Sauerstoff verabreichen, Pulsoximeter und EKG anlegen, Blutzucker messen, Infusion vorbereiten. Eine solche Planung im Vorfeld schafft in Ihrem Kopf Klarheit und Übersicht und gibt Ihnen die Freiheit, wichtige Entscheidungen im Notfall ungestört, ruhig und zielsicher treffen zu können.
Quelle: Anästhesie aktuell
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