Ultraschall hilft Ihnen bei schwierigem peripheren Venenzugang

Kennen Sie die Situation? Es sind keine peripheren Venen zu erkennen, die Größe des Eingriffs rechtfertigt aber keinen zentralen Venenzugang. Was tun? Der Kollege Stone (1) schaut sich die Ellenbeuge und den distalen Oberarm mit Ultraschall (US) an (Linearschallkopf) und geht in folgenden Schritten vor:
1. Schritt: Unter sterilen Bedingungen, d. h. nach Hautdesinfektion, erfolgt die Untersuchung mit sterilem Ultraschallgel. Der Schallkopf ist mit einer sterilen 3M Tegadermfolie 10 x 12cm umhüllt.
2. Schritt: Er stellt sich die Art. brachialis und den N. medianus dar, um deren Punktion zu verhindern.
3. Schritt: Er sucht nach einer nicht-thrombosierten Vene (das ist eine Vene dann, wenn sie durch Kompression nicht zusammendrückbar ist), sei es Vv. cephalica, basilica oder brachialis.
4. Schritt: Mit Lidocain wird der mutmaßliche Stichkanal infiltriert und dann ein Arterienkatheter unter Ultraschall-Sichtkontrolle eingeführt. Er benutzt einen 10,8 cm langen 20-G-Katheter, der mit einem integrierten Führungsdraht nach Seldingertechnik ausgestattet ist („spring wire guided“-Katheter von Arrow arterial catheterization set FA-0420™).
5. Schritt: Der Draht wird entweder selbst oder von einem Assistenten vorgeschoben, während der Punktierende dies mit US kontrolliert.

Bei 10 aufeinanderfolgenden schwierigen Venenzugängen gelang die Punktion in 9 Fällen  innerhalb von 140 Sekunden (bei durchschnittlich 1,3 Punktionsversuchen).

Die Technik bietet Ihnen viele Vorteile

Leserbriefe kritisierten den vermeintlichen Aufwand an Zeit, Material und Ausrüstung. Dies nahm der Autor nochmals zum Anlass, die Vorteile darzustellen, die das Verfahren aus seiner Sicht bietet (2):

  • Mit der vereinfachten Seldingertechnik werden auch tiefe periphere Venen schnell erreicht.
  • Wenn die oberflächlichen Venen schlecht gesehen und getastet werden können, dann sind die Venen der antecubitalen Grube und des Oberarms oft noch weit und mit Ultraschall leicht zu punktieren.
  • Die zusätzlichen Kosten betragen (im April 2007) ca. 10 US $, vorausgesetzt, dass ein Ultraschallgerät verfügbar ist

Beschleunigter Ablauf spart OP-Zeit und damit Geld

Missglückte Venenpunktionsversuche können für Sie als Arzt und Patient zum Alptraum werden, sie können auch den OP-Ablauf empfindlich stören. Kalkuliert man die Kosten für 1 OP-Minute mit 10 €, dann relativiert das schnell Materialkosten, die zu einem beschleunigten Ablauf führen. Deshalb muss man für jede Alternative zum normalen Verfahren dankbar sein.

Patienten sind zufrieden.

Persönlich habe ich ebenfalls sehr positive Erfahrungen mit Ultraschall zur Punktion peripherer Venen gmeacht. 2-mal bestand bei Patienten eine extreme Adipositas (180 kg und 130 kg KG), oberflächliche periphere Venen waren nicht zu entdecken, tiefe Venen in der Ellbeuge im Ultraschall jedoch sehr gut. Beide Male lagen diese Venen jedoch ca. 4 cm von der Hautoberfläche entfernt, somit nur gerade eben von einer „normalen“ Verweilkanüle erreichbar. Mit kunstvollem Verkleben und Armschienung war es in dem einen Fall möglich, eine Dislokation zu verhindern, in dem anderen Fall musste ein 2. Mal punktiert werden. Hier wäre ein Arterienkatheter als venöser Zugang sicher sinnvoll gewesen, ich hatte jedoch schlichtweg nicht an einen solchen Einsatz gedacht.
Ein anderes Mal war es bei einem Patienten mit amyotropher Lateralsklerose nicht möglich, venöses Blut abzunehmen. Er berichtete von durchschnittlich 8 vergeblichen Punktionsversuchen an seinen paretischen „venenlosen“ Armen bei jeder Blutentnahme. Mit Ultraschallkontrolle gelang die Blutabnahme mit einem Stich.

Fazit: Ultraschall kann auch bei „kleinen“ Prozeduren die Qualität der Arbeit erheblich verbessern und den Zeitbedarf drastisch reduzieren.
1.    Stone BA, Anesthesiology 2007; 106:195
2.    Stone BA: Anesthesiology 2007; 107:357

130-kg-Patient; keine oberflächlichen Venen; im US (rechtes Bild oben rechts) leicht punktierbare Vene im Querschnitt darstellbar.

Quelle: Anästhesie aktuell; Mai 2008

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