Das AUS für Paracetamol bei Kindern?

Dieser Artikel erschien in Anästhesie aktuell Seit einem ½ Jahrhundert ist Paracetamol (im Englischen: Acetaminophen) bei Laien wie bei Ärzten beliebt. Ich setze es gerne ein als Basisanalgetikum z. B. bei Kindern in der HNO: 40 mg/kg als Loading Dose zusammen mit der Prämedikation rektal. Oder, wenn das versäumt wurde, als i.v.-Medikament (Perfalgan®) vor der Narkoseausleitung. Ich bilde mir ein (viele wissenschaftliche Arbeiten in der Vergangenheit legten dies nahe), dass das eine relativ nebenwirkungsarme analgetische Grundlage ist, auf der dann bei Bedarf andere Analgetika gegeben werden konnten. Nun schockiert mich eine Empfehlung des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie der DGAI. Folgende Informationen zu Paracetamol wurden publiziert1:

Kein Zweifel besteht darüber, dass Paracetamol (P) analgetisch wirkt. Aber:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wirken postoperativ besser (unser Kommentar: erhöhen aber die Blutungsneigung!).
  • Sie wirken auch zusammen mit Opiaten besser mit weniger PONV oder Sedierung. Antiemetika wie Tropisetron oder Granisetron heben die Paracetamolwirkung vollständig auf! Paracetamol ist die häufigste Ursache für ein akutes Leberversagen – sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen. Erhöhte Empfindlichkeit besteht bei Nahrungskarenz und (!) Fieber. Die Einnahme von Paracetamol durch die Mutter am Ende der Schwangerschaft sowie durch das Kind im Säuglingsalter erhöht das Risiko, im Kindesalter Asthma bronchiale, Rhinokonjunktivitis oder Ekzeme zu bekommen2 (insgesamt 14 Arbeiten werden zu diesem Thema zitiert).

Der Einsatz von Paracetamol „sollte sehr gut begründet werden, denn für die perioperative Schmerztherapie stehen … wirksamere Substanzen aus der Gruppe der NSAR zur Verfügung.“

Sicher zu Recht weisen die Autoren in Anästh Intensivmed darauf hin, dass die perioperative Verordnung nur einen kleinen Teil der Verordnungen ausmacht. Viel zu häufig werde (unsinnigerweise) moderates Fieber nicht als physiologische Abwehrstrategie verstanden, sondern antipyretisch behandelt. Dennoch: Unser analgetisches Arsenal wird durch die oben genannten Aussagen empfindlich beeinträchtigt!


1)Giest J., Strauß J., Jöhr M., Becke K. Anästh Intensivmed 2009; 50:57-59
2)Beasley R. et al. Lancet 2008; 372 (9643):1039-1048

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